Berliner Schachgeschichte(n), Ausgabe 12

J C W Petsch

Der heilende Weinhändler

Am 4. Juli 1804 wurde Johann Christian Wilhelm Petsch in Frankfurt a. M. geboren. [2] 1819 begann er eine Maurerlehre. Nach Abschluss seiner Ausbildungszeit erkrankte er scheinbar tödlich, heilte sich selbst jedoch mit Apfelwein (Äbbelwoi). Dadurch fühlte er sich zum “Naturdoktor” berufen und begann andere mit Apfelwein zu behandeln. Da dies nicht in allen Fällen ausreichte, mischte er bald andere gesunde Zutaten, wie Quellwasser oder Milch bei. Ende der 1820er Jahre zog er als Maurermeister nach Luckenwalde und 1849 weiter nach Berlin. Hier wurde er sehr bekannt und machte als Apfelweinhändler den Weißbierbrauern und als Heiler den Ärzten schwer Konkurrenz. Er behandelte vom einfachen Volk über den Schutzmann bis zu König Friedrich Wilhelm IV. und dessen Leibarzt jeden. Er füllte ein Zimmer mit 25.000 Krücken geheilter Patienten. Die Neider seines Erfolgs waren alarmiert. [3]

Dann starb 1856 eine Cholerapatientin die er zu behandeln suchte und Ärzte sowie Weißbier-Brauereien sahen ihre Chance dem als kurpfuscherisch angesehenen Treiben Petschs entgegen zu sprechen. Man machte ihm den Prozess und Rechtsanwalt Wilberg, möglicherweise ein Verwandter des Stadtgerichtsrath Wilberg (Berliner Schachgesellschaft), übernahm die Verteidigung. Er benannte 50 ehemalige Kunden als Zeugen und kam vor Gericht mit einer lächerlichen Geldstrafe davon. [4], [5]

1859 veröffentlichte er: J.C.W. Petsch, Licht und Wahrheit: Apfelwein, Milch und Wasser als die zuverlässigsten Heilkräfte thatsächl. erprobt.

Im Jahr 1860 begab sich auch König Maximilian II. Johann von Bayern zu ihm. Dank inzwischen erlangter königlicher Erlaubnis zu praktizieren hatte er dafür genügend Rückendeckung. [3]

Erst als 1861 sein königlicher Gönner starb, wurde ihm in Berlin der Boden zu heiß und er verlegte seine Geschäfte zunächst nach Gotha, später nach Dresden, wo er Unterstützer fand und sich als Apfelwein-Kelterer endgültig einen guten Namen machte. Er starb dort am 12. November 1882. [2]

Petsch hatte mehrere Lokale/Geschäfte: in der Leipziger Str. 11, Königsstr. 54, Schönhauser Allee 136. [6]

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