BerlinBase – Aktualisierte Versionen

Im fast jährlichen Rhythmus veröffentliche ich seit 15 Jahren, so auch dieses Jahr, in der Weihnachtszeit kostenlos downloadbare Datenbanken mit Berliner Partien, bzw. Partien Berliner Spieler in offiziellen Titelkämpfen.

Im vergangenen Jahr konnten wegen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nur wenige Turnierveranstaltungen durchgeführt werden, welche die persönliche Begegnung mit anderen Schachfreunden erlaubten. Eine Gelegenheit für mich Liegengebliebenes zu sichten und in den Datenbanken zu erfassen.

In der BerlinBase_History_V4.7 gibt es nur wenig Neues. Mit den Schachhistorikern Alan McGowan und Ulrich Tamm hatte ich jedoch regen email-Wechsel und Gelegenheit einige Biografien von Spielern durch Recherche in Datenbanken zur Ahnenforschung aufzuklären. Inzwischen kann ich handschriftliche Dokumente in Kanzleischrift recht flüssig lesen.

Mein Fundstück des Jahres ist eine alte Regel, an die ich mich selbst nur selten halte:

Kiebitzregeln

Wie man in Alt-Berlin die Kiebitze strafte, d. h. nicht die eierlegenden, sondern die ungerufenen Zuschauer beim Spiel, lehrt eine köstlich urwüchsige Berliner Wirtshausordnung aus dem Jahre 1583, die also lautet:

„Wer denen fleißigen Spielern über die Achsel gucket, also daß ine eyne heiße Angst würdt, den soll man bald verjagen und heyßt in eyn Kiebitz. Wer aber die Karte von zween Spielern beglotzert hat und kommet im eyn lüstlein, eynem etwas kundt zu tun durch Klappern mit den Augen, oder er schwatzet mit dem Maul, den soll man pönitiren um dreizig pennige in gutter Müntz oder eyn krügelein vol Maltzbier zu gemeynem besten, dann verjagt in. Wer aber sich bedünket, so voll Weisheit zu seyn, daß er den Spielern will Rat geben oder sagen, es habe eynes nicht recht gespielet, den soll man auf seyn Maul schlagen, auch ime das Käppleyn über die Oren treyben, denn er ist eyn Esel, dazu soll man in verstäupen und werffe in auf die Gasse.“

— Es könnte vielleicht nichts schaden, wenn diese schöne Verordnung manchmal wieder in Kraft gesetzt würde.

Deutsche Schachzeitung 1909, S. 287

Kiebitze beim Spiel gab es vermutlich schon, bevor es diese Handlungsempfehlung gab. Die o. a. Wirtshausordnung wird in verschiedenen deutschen Zeitungen des Jahres 1909 wiedergegeben, immer ohne Quellenangabe. Das heute älteste Restaurant Berlins “Zur letzten Instanz” ist ein “Neubau” aus dem Jahr 1621. Wikipedia vermutet das 19. Jahrhundert als Ursprung des Begriffs “Kiebitz (Spielbeobachter)” und dürfte damit weit daneben liegen.

1 Gedanke zu „BerlinBase – Aktualisierte Versionen“

  1. Vielen Dank, lieber Andreas, für deine unermüdliche Forschung und Arbeit! Herrlich auch die Ausführungen über Kiebitze in dem aktuellen Bericht!

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