Schach-Club Kreuzberg e.V.
3Dez/152

Feierabendliga – Glück & Verstand im Kreuzberger Duell

In der zweiten Runde der Feierabendliga trafen gestern Abend in der Staffel A SCK I und SCK III aufeinandner. Dazu ein Bericht von Atila:

Nach der ersten Stunde war von der Favoritenrolle der ersten Mannschaft nichts zu spüren.

Nur Dirk Paulsen hatte gegen Michael Neuwirth eine angenehme Stellung, in der er ohne Risiko seine leicht vorteilhafte Stellung auf Gewinn spielen konnte. Einen gewissen Raumvorteil, aber damit noch lange keine einfache Stellung besaß Lutz Mattick gegen Bastian Deubler. Während dessen misslang Shenis Slepushkin gegen Georg Adelberger die Eröffnung soweit, dass ihm ein Bauer abhanden kam... Ähnlich souverän spielte Atila Gajo Figura gegen Sven Becker der mit Weiß spielend aus der Eröffnung heraus direkt in eine schlechte Stellung hineingerät.

In der Zwischenzeit konnte Dirk infolge von Ungenauigkeiten seinen Vorteil vergrößern. Im kritischen Moment wurde er ungeduldig, öffnete verfrüht die Stellung und plötzlich war die Stellung alles andere als klar. Am Ende besaß Weiß einen gefährlichen, nahezu unaufhaltbaren Freibauern, während dessen Schwarz zwei verbundene, aber langsame Freibauern inne trug. Laut den Berechnungen von Dirk sei die Stellung wohl in allen Varianten am Ende ein Remis gewesen, aber sicher war er sich dabei nicht. Am Ende nahm Michael jedoch das Remisangebot an. Eine starke und zähe Verteidigung von Michael, Hut ab!

Während dessen endete auch die Partie zwischen Georg und Shenis im Endspiel in einer zeitnotbedingten Stellungswiederholung, nachdem Shenis einmal mehr seine große Endspielstärke vorwies. Damit behielt auch Georg fortwährend die Nerven! Gratuliere!

Die Partie zwischen Sven und Atila hingegen nahm mehr und mehr Schärfe an. Nach zwei strategisch riskanten Entscheidungen konnte Atila mittels eines strategischen Qualitätsopfers zumindest große praktische Chancen herbeiführen (die Maschine ist nicht unbedingt der gleichen Ansicht). Am Ende behielt Atila den Durchblick gegen den stark aufkämpfenden Sven. Damit eine knappe Führung mit 2:1. Eine Partie lief noch.

Während Lutz anfangs über einen beachtlichen Raumvorteil verfügte, übersah er eine kleine Schwäche in seiner Struktur, wonach Bastian sofort die Initiative übernahm. In dem Moment, als Bastian eine nahezu Gewinnstellung besaß, beging er eine strategische Fehlentscheidung, wonach sich das Blatt komplett wandelte. Nach einiger Zeit wurde die Stellung zunehmend unklar und plötzlich befand sich Lutz mit etwas mehr als einer Minute in großer Zeitnot, währenddessen Bastians Zeitkonto 8 Minuten und etwas anzeigte. Entsprechend fing Lutz endlich an deutlich schneller zu spielen. Ein Remisangebot seitens Lutz wurde im Sinne des Mannschaftskampfes von Bastian abgelehnt. Als letzterer noch 4 Minuten auf der Uhr besaß und Lutz noch 35 Sekunden, verlor Bastian die Nerven und übersah ein Schachgebot seines Gegners, als er eine Familiengabel wähnte: Unmöglicher Zug! Schiedsrichter! 2 Minuten Zeitgutschrift für Lutz! Einmal tief durchatmen auf der Bank der ersten Mannschaft. Da die Stellung objektiv jedoch schlecht für Lutz war, ging der Krimi noch weiter.... und prompt weniger Züge später machte Lutz versehentlich aus einem weißfeldrigen Läufer, einen schwarzfeldrigen Läufer: damit erneut eine Zeitgutschrift... dieses Mal für Bastian. Weiterhin die Ansage des Schiedsrichters Georg Adelberger: "Der nächste unmögliche Zug verliert!". Unter dieser Anspannung ging die Partie weiter und Bastian war sowohl zeitlich als auch von der Stellung her klar am Drücker. Mit einer Zeit von einer Minute gegen drei Minuten stellte Bastian plötzlich den Turm einzügig ein und Lutz brauchte einige Sekunden um zu erkennen, dass der Turm tatsächlich ungedeckt einfach einsteht. Statt jetzt jedoch die Partie runter zu zocken und den Mehrturm zu verwerten, bot Lutz erneut ein Remis an, auch als Zeichen der Anerkennung des starken gegnerischen Spiels, aber auch um den Mannschaftssieg abzusichern, welches angenommen wurde.

Der zweite, knappe Sieg der ersten Mannschaft (auch in der ersten Runde hätte die erste Mannschaft durchaus verlieren können) und ein starker Auftritt des Neuaufsteigers in der A-Staffel!

In den anderen Ansetzungen gewann SCK II gegen Weißensee, während SCK IV und V jeweils gegen ihre Gegner vom Mariendorfer SV verlor.

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Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Dank an Atila für den ausführlichen Bericht – man geht ja richtig mit, egal für welche Mannschaft man hält. Glückwunsch an die Spieler von SCK III, die so gut mithalten konnten. Faire Geste von Lutz, Remis anzubieten!

  2. toller bericht, muss ick och sagen, das ist geschrieben wie ein krimi. und der lutze, der absolute wahnsinn. herzlichen glückwunsch an alle.
    schöne grüße vom bodensee, der lewi


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