Schach-Club Kreuzberg e.V.
13Mrz/122

Schach und Matt

Er schreibt mit der linken hand. Infolge eines bruchs
konnte er zeitweilig beidhändig agieren, was beim griff
zur uhr beim blitzen von vorteil ist.

Eigentlich wollten wir gestern photographieren.
Als er mich anrief und ich verstehe, daß er SCHON DA wäre, bricht die
Verbindung ab.

Ich packe meine Sachen, ziehe den mantel eine halbe
stunde vor der zeit an, und rufe zurück. Nein, er wäre NOCH DA.
Er hat den flieger in den haag verpasst und müsse nach berlin
trampen.

Ein befreundeter urbanistikstudent kommt spontan mit.
Sein erster berlinbesuch. Am nächsten tag wird er zwei stunden in
der schlange vor dem angeblich besten döner stehen, während david
die analyse seiner partie schon abgeschlossen hat.
Sie kommen, wie im fluge. rechtzeitig an.

Auf seinen gegner hat er sich vorbereitet. Nur die züge
zählen, keine psychologie. Das wäre zu aufwendig. Zu
zeitraubend.
Eine geschlossene Variante der sizilianischen Verteidigung
kommt aufs brett.
Er greift ungestüm an, der druck verflacht, am ende bietet
sein kontrahent in leicht besserer Stellung remis.

Ich photographiere beim wettkampf, in der zeitnotphase.

Er bemerkt mich und vergisst mich, die Stellung hat vorrang.
Ein Zuschauer blafft, mit dem klicken aufzuhören.

Am nachmittag entstehen bilder an der spree.
Die Spannung ist vorüber,
die mannschaft hat gewonnen.
Wir sprechen über seine haltung, mit und ohne mantel.
Nicht krumm oder gebeugt: gerade stehen ...
Die sonne steht tief, blendet, verwandelt augenblicke in Sehschlitze.

Er spielt am liebsten gegen jemanden, den er mag. Um gemeinsam
eine spektakuläre partie zu schaffen. Das ist seine form der kunst.
In berlin kann jeder machen, was er will, meint er. In seiner heimat
würde kein cafebetreiber auf die frage, wie lange er aufhätte, antworten:
länger, als bis du gehst.

Sein gesicht ist schmal, hat die züge eines vogels, der zwischengelandet ist
Wir trinken bier in einer fußballkneipe.
Ein letztes bild in der einsetzenden dämmerung.
Der photograph hat distanz zu wahren, um der person gerecht zu werden,
die er ins auge fasst.

Auf die gefahr hin, diesem anspruch nicht gerecht geworden zu sein,
möchte ich auf die wunderliche leichtigkeit hinweisen, die unser zusammenwirken
begleitete, auf das geschenk, einem strahlenden menschen begegnet zu sein
- es muß ja nicht notwendig gleich erleuchtung im spiel sein -, der nach
dem schönen sucht und dem gefühl, schönes mit dem geist zu vermählen;
ob er, von vogelnatur, seinen rückflug erwischt oder verpasst hat,
weiß ich nicht.


Fotos und Texte von Markus Epha

Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. hallo david,

    ein toller bericht. wieder mal eine poesie in allen belangen. einfach grandios.

    schöne grüße aus chemnitz, matthias lewandowski

  2. Dag David,
    wat geweldig mooi! Het Duits is iets te ingewikkeld voor mij en de google vertaler weet met deze poetische zinnen ook niet goed raad. Dus als je eens tijd hebt… mag je de tekst vertalen voor mij.
    Groetjes en zonnige lach, Gerda


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