Oberliga Ost: 1. Mannschaft holt 7,5 Brettpunkte, aber nur einen Mannschaftspunkt gegen Rotation Pankow und Görlitz

Neues Jahr, neue Doppelrunde in der Oberliga Ost: Auf Basis der Erfahrungen der letzten Saison machten wir uns bereits am Freitag auf in das doch recht weit entfernte Görlitz, um unser Schachwochenende in vollen Zügen zu genießen. Zugegeben, wir verbrachten etwas mehr Zeit mit der Vorbereitung auf unsere Gegner als mit der fast durchgehend gut restaurierten Architektur der Görlitzer Innenstadt, aber was wir sahen, war beeindruckend. Dank exzellent organisierter Unterkunft und Verpflegung hatten wir viel Zeit für spannende Diskussionen und für die Spielfreudigen unter uns natürlich auch für ein wenig Blitzschach. Manche Spieler konnte so Mut und Selbstvertrauen für den morgigen Spieltag sammeln, andere verzweifelten eher an ihren (fehlenden) Blitzkünsten. Wirklich Mutige machten mitten in der Nacht noch einen kleinen Abstecher über die Grenze nach Polen, nur um nach 2 Polizeikontrollen festzustellen, dass der Schengenraum auch nicht mehr das ist, was er mal war. So oder so, wir waren wie immer bestens vorbereitet.

Samstag: Rotation Pankow

Im Anschluss an morgendliche Spaziergänge (ausnahmsweise nicht nach Polen) wartete mitten im wunderschönen Stadtkern von Görlitz mit Rotation Pankow unser erster Gegner auf uns. Es sollte ein enger Kampf werden, obwohl wir an fast allen Brettern nominell die Underdogs waren.

Gerade an den unteren 5 Brettern schlugen wir uns eigentlich exzellent: Micha an Brett 6 wickelte mit Schwarz souverän in ein ausgeglichenes Endspiel ab und machte ein unkompliziertes Remis. Freddy an Brett 4 stand dagegen in der Eröffnung unter Druck, glich aber in einem damenlosen Mittelspiel halbwegs aus und spielte die Partie sicher bis zum Remis runter. Neben diesen zwei sicheren Remis lieferten die anderen Bretter zumindest zeitweise Gewinnstellungen für Kreuzberg, beginnend mit Julian. Dieser hatte an Brett 7 aus einem Franzosen mit Weiß großen Vorteil nachdem sein Gegner in riskante Theoriegefilde vorgestoßen war. Dieser genoss nach seinem geplanten Qualitätsopfer aber Kompensation, insbesondere durch Julians zur Neige gehende Bedenkzeit. Am Ende wurde die Partie so trotz objektiven Stellungsvorteils Remis. Aarons dominantes Eröffnungsspiel wurde nicht belohnt, da die übers Brett gejagte gegnerische schwarze Dame auch tief im weißen Lager immer wieder ein sicheres Feld fand. Trotz zwischenzeitlichen Gewinns: Wieder Remis. Eindeutiger war Constantins Gewinnstellung. Diese hatte er in einem komplexen Mittelspiel erarbeitet, verpasste aber in Zeitnot mehrfach die richtige Ausfahrt zum Sieg (den berühmten “Cashout”), stand im Endspiel wieder auf Gewinn, nur um sich letztlich den scheinbar riskanten Weg zum Sieg nicht zu trauen und Dauerschach zuzulassen. Nochmal Remis.

IM Szelag – FM Tschernatsch, Schwarz am Zug: Viele Wege führen nach Rom, aber Johannes machte mit 1. … Dh1+, 2. … Dxe4+ und 3. … Txe2+ nach einer langen Partie wohlverdient den Sack zu.

Nach drei verpassten Chancen und fünf Remis verblieben die oberen drei Bretter, welche mit drei Schwarzsiegen enden sollten. Während Robert an Brett 1 in der Eröffnung auf dem falschen Fuß erwischt und von Igor Glek systematisch zusammengeschoben wurde, kämpfte sich Johannes nach starker Partie durch einen langen Grind zum überfälligen Sieg und hielt damit die Kreuzberger Fahne hoch (siehe Diagramm). Leider hatte zuvor Aron an Brett 3 nach guter Eröffnung den Faden, einen Bauern und damit auch die Partie verloren. Der Endstand von 3,5:4,5 bedeutete für uns seine Niederlage mit mehreren unverwandelten Elfmetern, die mindestens der Ausgleich hätten liefern dürfen.

Sonntag: Görlitz

Am nächsten Morgen ewarteten uns die überwiegend mit tschechischen und polnischen Meistern besetzten Görlitzer. Respektable Gegner also, die gegen Rotation früher in der Saison ein überzeugendes 5,5:2,5 geholt hatten. Doch wir ließen uns vom favorisierten Gegner nicht beeindrucken.

Zunächst spielten Micha und Julian unabsichtlich ein kleines Thematurnier im königsindischen Angriff. Micha holte mit Weiß nicht viel aus der Eröffnung und willigte in ein frühes Remis ein, während Julian mit Schwarz lange besser stand, aber später in einem unklaren Turmendspiel ebenfalls Remis annahm. Weiter oben hielt Robert nach optisch zunächst etwas gedrängt aussehender Stellung gegen seinen GM-Gegner Remis. Aron machte ebenfalls mit Schwarz Remis, allerdings nach wesentlich dynamischerem Spiel und eher aus einer Position der Stärke. Johannes zog an Brett 2 gegen seinen GM den Kürzeren, nachdem er sein Läuferpaar aufgab, der entstehende Angriff am Königsflügel aber nicht durchschlug.

Vogel – Vlatavsky, Weiß am Zug: Der Autor dieser Zeilen fand das Qualitätsopfer 1. Txf6 Lxf6 2. Dxf6 Dxf6 3. Txf6 mit Gewinnstellung und Partieende in 5 Zügen. Nicht schwer, aber sehr hübsch.

Am unteren Brett 8 gewann Constantin mit Weiß dank großen Raumvorteils und überzeugendem Qualitätsopfer pünktlich zu Zug 40 seine Partie (siehe Diagramm). Ebenfalls zur Zeitkontrolle hatte Freddy auf einmal eine Mehrfigur gegen 3 Bauern auf dem Brett. Sein langfristiges Bauernopfer in der Eröffnung machte sich bezahlt, und er gewann das Endspiel mit Dame, Springer und fortgeschrittenem Freibauern schnell. Beim Stand von 4:3 wandten sich alle Blicke zu Aaron, der mit Schwarz in der Eröffnung etwas unter Druck stand, aber später komfortabel ausglich. Leider vertat er sich im entstehenden Endspiel mehrfach in Folge, was zum Verlust von 2 Bauern und nach zäher Verteidigung zur Niederlage führte. Der Endstand 4:4 gegen starke Görlitzer ist kein schlechtes Ergebnis, aber da war mehr drin.

Fazit

Insgesamt hatte das Wochenende große Ähnlichkeit zur ersten Doppelrunde, wo wir erst gegen Tegel zahlreiche Chancen zur knappen Niederlage vergeigten, um dann gegen die Schachfreunde knapp am Sieg vorbeizuschlittern. “Und täglich grüßt das Murmeltier” … oder wie Aaron es ausdrückte: Wir waren diese Saison potenziell 3 Brettpunkte davon entfernt, 100% der Mannschaftspunkte zu holen, und hatten alle diese Punkte auch schon auf dem Brett. Positiv betrachtet haben wir also nach geschaffter Halbzeit wahrscheinlich den härtesten Saisonstart der Liga gehabt und bereits gegen die gesamte obere Hälfte der Liga sehr respektabel gespielt. Umgekehrt heißt das, dass ab jetzt jeder Kampf gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf geht. Es bleibt also spannend, auch wenn die nächsten Runde erst Ende Februar ansteht.

Alle Ergebnisse finden sich wie gehabt beim Ergebnisdienst.

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