Eigentlich sollte sich unsere Mannschaft keine Sorgen mehr um den Klassenerhalt machen müssen. In der ersten Hälfte der Saison hatten wir die stärksten Gegner bereits abgehakt und mit einigem Pech “nur” einen Mannschaftssieg und 2 Remis erspielt. Die anderen Underdogs der Liga schlugen sich aber kaum besser, daher war das Ergebnis so durchaus in Ordnung. Umgekehrt bedeutet das für uns, dass die letzten Saisonspiele allesamt gegen direkte Abstiegskonkurrenten sein würden – Pflichtsiege, wenn man die Klasse halten möchte. Angesichts unserer starken Leistung in den letzten Kämpfen eine machbare Aufgabe. Dachten wir zumindest.
Schatten am Samstag: Nickelhütte Aue II
Eigentlich ging es an den unteren Brettern unserer Favoritenrolle entsprechend los: Micha machte nach einer ruhigen Eröffnung mit Weiß früh Remis, während unser starker Neuzugang Stevan nach Schwierigkeiten in der Eröffnung den weißen Damenflügel aufrollte und schnell gewann. Doch an den oberen Brettern zeigten sich die ersten Risse: An Brett 3 weckte die Eröffnungsvariante bei Freddy traumatische Erinnerungen an eine ähnliche Partie aus dem letzten Jahr. Dies veranlasste Freddy zunächst zu merkwürdigen Zügen und später taktischen Patzern, welche ihn nach tapferer Verteidigung letztlich die Partie kosteten. Constantin gewann nach überaggressivem Spiel seines Gegners in der Eröffnung einen Bauern und ging nach einem abwechslungsreichen Mittelspiel in ein leicht besseres Endspiel. Nachdem er mit Weiß seinen 40. Zug gemacht hatte, verließ er kurz das Brett; sein Gegner hatte schließlich noch 2 Minuten für seinen Zug und würde diese sicherlich nutzen. 3 Minuten später kam Constantin zurück und sah seinem Gegner zu, wie dieser die Figuren aufbaute – Verlust auf Zeit! Fun Fact: Das ist damit das dritte Mal innerhalb eines (!) Jahres, dass der Autor dieser Zeilen auf diese Weise im klassischen Schach gewinnt.

Nach dem 40. Zug liefen also beim Stand von 2,5:1,5 noch 4 Partien mit unklarem Ausgang: Robert stand das langgezogene Mittelspiel über stark unter Druck, spielte aber geschickt auf die knappe Bedenkzeit seines Gegners und rettete sich ins Remis. Johannes probierte nach einer langen Eröffnungsdebatte sein Möglichstes, doch mit nur einem (Doppel-)Bauern mehr am Königsflügel ließ sich im Turmendspiel nichts mehr rausholen. Der Zwischenstand von 3,5 war nicht gut, aber auch keine Katastrophe, unsere beiden (A-)Arons spielten ja noch. Beide Endspiele waren umkämpft, doch trotz aller Versuche konnte Aaron an Brett 5 keinen Vorteil erspielen. Er lehnte verschiedene Möglichkeiten zur Zugwiederholung ab, was die Stellung sicherlich auch erlaubte. Zumindest so lange, bis Aaron einen Bauern zu viel nahm und ein gegnerischer Freibauer zusammen mit dem schwarzen König Mattdrohungen schuf. Der notwendige Turmtausch zur Abwendung des Mattnetzes kostete die Umwandlung des besagten Freibauerns und damit die Partie. 3,5:3,5.
Alle noch anwesenden Augen richteten sich auf Arons Partie am 3. Brett. In einem langen Schwerfigurenendspiel mit Dame und Turm stand der schwarze König von Aron zwar ständig unter Druck, doch Aron befreite seine Dame und fraß sich durch den weißen Damenflügel. Sein Gegner musste umschalten, Arons Freibauern am Damenflügel neutralisieren und fand sich plötzlich in einem Endspiel mit Minusbauern wieder, in dem Arons König dank besserer Bauernstruktur auch noch besser vor Schachs geschützt war. Die Stellung blieb remisträchtig, doch nach langem Manövrieren brachte Aron endlich Dame und Turm gegen den weißen König in Stellung. Der finale Angriff jagte den gegnerischen König zwar übers Brett, dieser spannte aber tatsächlich ein Mattnetz gegen Arons König (siehe Diagramm). Endstand 3,5:4,5. Innerhalb von 5 Minuten drehte sich das ganze Match. Der Schock saß tief. Eigentlich hatten wir 4,5 Punkte sicher, wenn wir in den letzten beiden Partien einfach Remis machen. Praktisch weiß keiner der beiden, wie die jeweils andere Partie ausgeht – und spielt stellungsgerecht weiter auf Sieg. Und verliert man als Favorit unglücklich gegen kämpferische Underdogs.
Licht am Sonntag: König Plauen
Nach dem Schrecken vom Vortag blieb wenig Zeit, um sich mental zu erholen. Was wir gegen König Plauen ablieferten, spricht daher für die mentale Stärke unseres Teams: Ein eingewechselter Max machte ein frühes Remis, gefolgt von einem ordentlichen GM-Remis von Robert. Aaron erholte sich gut von seinem gestrigen Debakel, bereitete die Eröffnung seines Gegners fast bis zum Sieg vor und gewann ohne Probleme.

Die weiteren Partien liefen hingegen bis tief in die Zeitnotphase. Johannes zog leider in einer dynamischen Stellung mit gedeckten Freibauern auf beiden Seiten den Kürzeren. Dafür spielte Constantin eine scharfe Eröffnung ambitioniert weiter, opferte seelenruhig eine Qualität für langfristigen Königsangriff und jagte den gegnerischen König bis zu seinem Ende auf h7 (siehe Diagramm). Freddy verteidigte sich derweil souverän mit Schwarz und fand trotz Zeitnot den sicheren Weg ins Remis. Die kritische Partie lieferte damit erneut Aron, dessen Isolanistellung in kürzester Zeit explodierte. Figuren hingen im Zentrum wild durcheinander, doch sein Gegner ließ kurz seine Grundreihe ungedeckt, was Aron taktisch sauber ausnutzte und Material gewinnen konnte … bis vor Erreichung von Zug 40 auf der Uhr seines Gegners die kleine Flagge aufblinkte und Kreuzberg zum 2. Mal dieses Wochenende auf Zeit gewann. Egal wie, nach dem Vortag nehmen wir die 4,5 Punkte. Den Abschluss legte Micha hin, der sich in einer sehr taktisch dominierten Partie bestens zurechtfand und nach Zug 40 eigentlich leicht besser stand, dann aber ein Dauerschach zulassen musste. Mit dem Endstand von 5:3 können wir sehr zufrieden sein. Die Erleichterung nach dem Kampf war bei allen spürbar.
Ausblick: Kreuzberg im Abstiegskampf
Doch was heißt das für unsere letzten beiden Runden in Leipzig am 18./19. April? Es wird diese Saison voraussichtlich 4 Absteiger geben. Vermutlich stellt es einen Designfehler der Oberliga Ost dar, wenn jede Saison potenziell fast die Hälfte aller Teams absteigt, aber daran können wir nichts ändern. Die Frage ist, welche 4 Teams wir hinter uns lassen. Die Antwort darauf ist recht schnell gegeben: Weisse Dame, Aue und Plauen sind mit Blick auf die Tabelle quasi schon abgestiegen. Bleiben also noch Löberitz und Leipzig, gegen die wir passenderweise auch noch direkt antreten dürfen. Der aktuelle Tabellenstand und auch die Spielstärke beider Teams legen nahe, dass der Mannschaftskampf gegen Löberitz entscheidend wird. In der letzten Runde dürfte Löberitz gegen Weisse Dame gute Chancen haben, während wir gegen Leipzig nicht sicher mit Mannschaftspunkten rechnen können. Da unsere Brettpunkte gut sind, sollten wir nur absteigen, wenn Löberitz gegen uns gewinnt und gegen Weiße Dame mindestens Remis holt, während wir gegen Leipzig verlieren. Umgekehrt heißt das: Uns sollte ein Remis gegen Löberitz eigentlich reichen. Und wenn wir den Kürzeren ziehen, können wir das Blatt noch durch einen Sieg gegen Gastgeber Leipzig wenden. Die Aussichten sind dank des Sieges gegen Plauen gut, aber es wird mindestens am Samstag ein hochspannendes Match werden. Die aktuelle Tabelle nach der 8. Runde (mehr Infos wie üblich beim Ergebnisdienst)
| Mannschaft | Spiele | Mannschaftspunkte | Brettpunkte | BW | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SV Görlitz 1990 | 7 | 13 | 38 | 178½ |
| 2. | SK König Tegel | 7 | 12 | 35½ | 143 |
| 3. | SC Rotation Pankow | 7 | 12 | 34 | 158½ |
| 4. | SF Berlin II | 7 | 11 | 37½ | 169 |
| 5. | SG Leipzig | 7 | 7 | 28½ | 134½ |
| 6. | SC Kreuzberg | 7 | 6 | 29 | 124½ |
| 7. | SG 1871 Löberitz | 7 | 4 | 23½ | 102½ |
| 8. | SK König Plauen | 8 | 3 | 28½ | 136½ |
| 9. | Nickelhütte Aue II | 8 | 2 | 19 | 90½ |
| 10. | SC Weisse Dame | 7 | 2 | 14½ | 58½ |
























Alleiniger erster Platz vor dem letzten Spieltag! Ungeschlagen! Nur 8 verlorene Partien in 8 Runden!








Die Frankfurter haben sich als der von Klaus und Manfred erwartete starke Gegner erwiesen. Nach anfänglicher Führung von 3:0 und zwei weiteren Remisen war nach der Niederlage von Freddy kurzzeitig nicht ganz sicher, ob wir mit zwei Mannschaftspunkten wieder nach Berlin fahren würden. Igor konnte dann nach einem Figurenopfer des Gegners den Vorteil realisieren. In unübersichtlicher Stellung versuchte Max noch zu gewinnen und überzog – 5 : 3.








Zwei Remis hatten wir schon auf dem Konto, als die Fotos entstanden. Ein weiteres kam noch dazu. Alle weiteren Partien konnten wir an diesem sonnigen Spieltag gewinnen. Mit den Siegen von Robert und Freddy konnte man aufgrund der Stellungen nicht unbedingt rechnen. Robert Glantz spielte mit Schwarz gegen Andreas Penzold mit einer Qualität weniger. Seine einzige Chance, ein Königsangriff, schlug aber durch. Die Partie Rolf Trenner gegen Frederick Dathe stand lange Zeit ausgeglichen, bis zu einem Fehler im Endspiel, den Freddy konsequent ausnutzte. Die weiteren Partien waren nicht weniger erwähnenswert, z. B. auch die schöne Angriffspartie von Michael Strache, der seinen ersten Sieg in seinem neuen Team klarmachte.




