Schach-Club Kreuzberg e.V.
18Okt/190

Berliner Schachgeschichte(n), Ausgabe 8

Vors.: Wir kommen nun zu dem Hauptpunkt, der Ermordung des Justizrats Levy. Wie sind Sie zu diesem furchtbaren Plan gekommen?

Werner: Da wir bei Golde nicht recht etwas gefunden hatten, wollten wir bei Justizrat Levy einen Diebstahl ausführen.

Vors.: Wer ist zuerst auf den Gedanken gekommen? Doch wohl Sie, Sie wußten mit den Verhältnissen Bescheid.

Werner: Ich habe einmal leichthin davon gesprochen, durch vieles Hin- und Herreden ist es wirklich dahin gekommen.

Vors.: Grosse, Sie waren einverstanden?

Angekl. Grosse: Jawohl, ich habe mich dazu bereit erklärt

Vors.: Angeklagter Werner, Sie haben früher einmal gesagt, daß Grosse Geld unterschlagen habe und dieses ersetzen mußte. Haben Sie aus diesem Grunde den verbrecherischen Plan gefaßt?

Angekl.: Das hat den Plan beschleunigt.

Vors.: Sie haben früher behauptet, daß, als Sie einmal zusammen die Mohrenstraße entlang gingen, der Plan, bei dem Justizrat Levy zu stehlen, in Ihnen gereift sei.

Angekl. Werner: Das ist richtig.

Vors.: Wie wollten Sie denn den Diebstahl ausführen?

Angekl. Werner: So, wie er ausgeführt wurde, durch Klettern auf die Galerie.

Vors.: Sie haben früher einmal angegeben, daß der Plan zunächst dahin gegangen sei, an der Wohnung des Justizrats Levy zu klingeln, das Mädchen niederzustechen und den Diebstahl auszuführen. Sie wußten, wo der Justizrat sein Geld bewahrte?

Werner: Ich vermutete es wenigstens.

Vors.: Sie behaupteten, daß Sie zunächst nicht die Absicht hatten, zu morden, sondern Ihr Plan ging ursprünglich dahin, die Frau Justizrätin zu knebeln. Sie haben sich sogar für fünf Pfennig Bindfaden dazu gekauft.

Angekl.: Ja.

Vors.: Sie vermuteten, daß im Bette rechts Herr Justizrat Levy und im Bette links die Frau Justizrätin schlief.

Angekl.: Ja.

Vors.: Tatsächlich war es aber umgekehrt. Sie, Werner, sollten als der Schwächere sich auf den schwächlichen Mann, Sie, Grosse, als der Stärkere, sich auf die kräftigere Frau werfen.

Werner: Ja!

Vors.: Ursprünglich war die Mordtat auf den 16. Oktober geplant. Sie hatten sich Dolche gekauft. Sie, Werner, hatten das letzte Geld, was Sie besaßen, dazu verwendet?

Werner: Ja.

Vors.: Einer dieser Dolche liegt vor. Werner hat seinen Dolch im Grunewald vergraben.

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