Berliner Schachgeschichte(n), Ausgabe 13

[18] Gustav Stresemann, Reichskanzler und Flaschenbierexperte
Der spätere Reichskanzler Gustav Stresemann war Sohn eines Berliner Bierhändlers und Gastwirts. Im Jahr 1900 promovierte er zum Dr. phil. mit einer Dissertation über das Berliner Flaschenbiergeschäft. Er entdeckt bei seinen Studien in der Vossischen Zeitung: 1828. Wir liefern 22 Fl. à 3/8 oder 12 Fl. à 3/4 Quart für 1 Thlr. und senden es jedem frei in seine Wohnung. Ostermann & Co., Spandauer Str. 29. [17]

Die Bierauswahl wird den Gästen des Restaurants gut geschmeckt haben. Das traditionelle Berliner Bier aus verschiedenen kleinen Weiß- und Braunbierbrauereien wurde von den gehobenen Ständen missachtet [19]. Stresemann schreibt den Vertrieb auswärtiger, obergäriger Flaschenbiere vorwiegend kaufmännischen Gesichtspunkten zu. Er sieht hier ein mehr kundenorientiertes Modell, gegenüber dem traditionellen Berliner Weißbiergeschäft. Erst im Jahr 1869 wurde in Berlin die erste Großbrauerei, das Berliner Bürgerbräu gegründet [20]. Bereits zwei Jahre später wurde das Geschäft in die Brüderstraße 7 verlagert [6].
1830 in einer speziell an Wiederverkäufer gerichteten Annonce in der Vossischen Zeitung: Den Herren Gastwirten und Restaurateuren liefere ich frei ins Haus: für 1 Thlr. 18 3/4 Fl. auch 42 2/8 Fl.; die To. zu 7 Thlr. Einfach-Bier To. 3 Thlr., bei mehreren To. billiger. Niederlage bei Ostermann, Brüderstr. 7, Philipson, Poststr. 1. [17] Das Geschäft hatte eine gute Lage zwischen der Nicolai’schen Buchhandlung in der Nr. 13 und der Stechbahn, einer vielbefahrenen Ecke des damaligen Berlin. Aber dort blieb er nur drei Jahre.

1832 zog er mit seinem Biervertrieb in die Friedrichstadt. “Au Caffé de Prusse” (“Im preußischen Café”) nannte er sein Unternehmen in der Friedrichsstraße 83 [6]. Dort hatte 1830 einer der weitgerühmten Gastronomen Berlins [21], Eduard [22] Schlickelmann den Gasthof “Der Einsiedler” [23] eröffnet und Ostermann arbeitete dort wohl als Cafetier und Restaurateur.

Das eigene Unternehmen hatte sicher nichts mit Kaffee zu tun, sondern enthielt im Namen eine Anspielung auf das frühere, von Friedrich dem Großen errichtete Kaffeemonopol, welches dessen Nachfolger wieder abschaffte. Hohe Zölle und ein Monopol, kontrolliert von “Kaffeeschnüfflern”, sollten mehr Geld für Friedrichs Kriegskasse erwirtschaften und er empfahl seinen Untertanen statt des Devisen fressenden Kaffeekonsums das Trinken von Bier. Jedoch der Konsum sank nicht, nur der Kaffeeschmuggel nahm zu. Der “Preußische Kaffee” umschrieb humorvoll Bier.

2 Gedanken zu „Berliner Schachgeschichte(n), Ausgabe 13“

  1. Sehr geehrter Herr Andreas Lange,

    mein Name ist Fred Ostermann.
    Bei meinen Recherchen zum Ursprung meiner Familie bin ich auf Ihre Forschungsarbeit gestoßen.
    Ich habe mir zwar Ihren Artikel über den Schachklub Kreuzberg kopiert, jedoch hätte ich gern eine entsprechende Publikation der Berliner Schachgeschichte(n) Ausgabe 13 zur Familie Ostermann.
    Es wäre schön, wenn wir in Kontakt kommen könnten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Fred Ostermann

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