Der Sommer geht zu Ende, die Temperaturen werden langsam wieder erträglich, und man kann das Haus verlassen, ohne einen Hitzeschock zu riskieren. Was macht der geneigte Berliner Schachverrückte also an einem wunderbar sonnigen Spätsommersonntag? Richtig: Er spielt 29 Runden intensives, stickiges, nervenzerfressendes Blitzschach bei den Berliner Blitzmannschaftsmeisterschaften.

Das Turnier dürfte damit eine der härtesten Prüfungen im Berliner Schach sein; erst recht, wenn man sich wie unsere tapferen Kreuzberger nebenbei noch für die Norddeutschen Meisterschaften qualifizieren möchte. Manch ein Teilnehmer hatte schon nach wenigen Runden keine Lust mehr, und selbst die Hartgesottenen kämpften spätestens zur Turnierhälfte mit beträchtlichen Motivationsproblemen. Allen Widrigkeiten zum Trotz spielte sich unsere junge Truppe (Altersschnitt rund 25 Jahre) auf den 4. Rang und machte die angestrebte Qualifikation damit locker klar.
Kreuzberg trat mit zwei Mannschaften an, beide etwas schwächer besetzt als in den Vorjahren. Unsere Zweite spielte ein ordentliches Turnier, musste aber gleich in Runde 1 eine herbe Niederlage gegen Kreuzberg I verkraften: 1,5:2,5, und das gegen eine Mannschaft in Unterzahl.
Unterzahl? Ja. Unsere Erste (Constantin, Momme und Arthur) bestritt die ersten beiden Runden mit unbesetztem Spitzenbrett. Zugpferd Robert hatte sich am Morgen vergaloppiert, einen Bus an sich vorbeitraben lassen und deshalb die ersten beiden Runden verpasst. Die folgenden drei absolvierte er im Halbschlaf und mit selbstgewähltem Eröffnungshandicap. Merke: Ein Pferd sollte vielleicht doch bei seinen Hufeisen bleiben, statt ein Hippopotamus sein zu wollen. Aus drei Partien sprang so nur ein einziges Gnadenremis heraus. Bei aller (nicht ganz ernst gemeinten) Kritik: Nach dem Aufwachen und der Eröffnungsumstellung zeigte Robert eine enorme Leistung. Seine großartigen Siege trugen entscheidend dazu bei, dass wir gegen das Topteam der Schachfreunde ein 2:2 und gegen die zweitplatzierten Tegeler sogar ein 3:1 holten.
Apropos hervorragende Leistung: Hier führt kein Weg an Arthur vorbei. Nachdem er tags zuvor schon bei den Einzelmeisterschaften phänomenal aufgespielt hatte, schlug er nun mit enorm trickreichem und schnellem Spiel einen Gegner nach dem anderen und kam auf etwa 25 von 29 möglichen Punkten. (Etwa, weil die Einzelergebnisse noch immer nicht veröffentlicht sind und die Mannschaftsergebnisse obendrein kleine Fehler enthalten.) Nach 29 Runden hatte unser 13-jähriger Starspieler dann noch Lust auf die Rückrunde, die die Organisatoren vor der letzten Runde scherzhaft angekündigt hatten. Vielleicht ist die Geheimwaffe neben gutem Schach ja einfach, jung zu sein (schwer zu erreichen) oder über enorme Fitness und Ausdauer zu verfügen (etwas weniger schwer, aber auch nicht leicht). Wie auch immer: Es war eine wahre Freude, oft schon nach zwei Minuten Spielzeit ein „1:0 Kreuzberg“ von Brett 4 zu hören.
Am anderen Ende der Skala hatte ein verschlafener Vogel an Brett 2 (der Autor) im Laufe des Turniers mit zunehmenden Ausfallerscheinungen zu kämpfen, stand der starken Teamleistung aber immerhin nicht allzu sehr im Weg. Brett 2 ist vermutlich der falsche Ort für jemanden, der im Blitz 150 Punkte schlechter spielt als im klassischen Schach, während es bei den Jugendlichen genau andersherum läuft. Zum Glück lieferte an Brett 3 Momme, Toptalent unserer Landesligamannschaft, auch gegen starke Gegner verlässlich gute Ergebnisse und verbesserte sein Rating beträchtlich. Mit Arthurs Punkterausch konnte er zwar nicht ganz mithalten, aber das konnte an diesem Tag ohnehin niemand.
Die Mannschaftsergebnisse (und evtl. irgendwann auch die Einzelergebnisse) finden sich bei chessresults

































Doch wessen Spiel wurde nun von ihren jeweiligen Gegnerinnen und Gegnern als besonders kreativ beurteilt? Auch hierzu gratulieren wir herzlich!












































































